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Die Morphologie von Kristallen ist in der Literatur oft unvollständig oder widersprüchlich beschrieben. Lesen Sie bitte dazu meine Anmerkungen auf der Seite Grundlagen für Kristall2000.

 

Ich zeige auf dieser Seite in loser Folge zu wiederholten Widersprüchen Lösungsvorschläge, die hierzu mit Kristall2000 interpretiert wurden. Vielleicht kann damit die Freude an der Kristallmorphologie erhalten oder sogar geweckt werden.

Beim Vergleich der Bilder 01 bis 03 wird erkennbar, dass das Spinellgesetz {111} hier als Zwillingsgesetz für Bixbyitzwillinge nicht zutreffen kann. Der fotografierte Bixbyit legt nahe, dass Würfelflächen {100} der Individuen in einer Ebene liegen. Das kann nur mit einer Spiegelebene nach {100} erreicht werden.

Bild 01: Einzelkristall
Kombination {100} + {211}

1.Bixbyit: Parallelverwachsung oder Zwilling? Kristallklasse Th oder Td

Hier wird das oft für Bixbyit angegebene Spinellgesetz {111} als Zwillingsgesetz in Frage gestellt.

Animation 01

Bild 03: Zwilling nach dem Spinellgesetz {111}

Bild 04: Einzelkristall

Kombination {100} + {211}.

Das Deltoidikositetraeder {211} ist idealisiert verzerrt.

 

Bild 05: von zwei Individuen eines nach (100) gespiegelt

Animation 04

Bild 06: drei Individuen

Das dritte Individuum ist nur untergeordnet ausgebildet.

Bixbyit

Bild 02: Bixbyit 10mm

Blick || zur Systemachse

Animation 05Animation 06

2.Tetraedrit (Fahlerz) Kristallklasse Td oder -43m

Animation 07

Bild 10: Einzelkristall
Kombination {111} + {110}

Animation 02

Bild 11: Einzelkristall kopiert und um [11-1] gedreht.

Animation 09

Bild 12: Zwilling nach [111]
Inidividuen gleich groß

Die Animation im Bild 11 bildet bei einer Drehung des 2.Individuums um 60° eine scheinbare Zwillingsstellung ab. Diese ist jedoch bei einer Zwillingsachse erst bei einer Drehung um 180° erreicht.

Animation 10

Bild 13: Einzelkristall
Kombination {111} + {100} + {-111}

Animation 11

Bild 14: Einzelkristall kopiert und nach {111} gespiegelt

Animation 12

Bild 15: Zwilling nach {100}
Durchdringungszwilling

Die in verschiedenen Quellen gezeigten Zeichnungen für Fahlerz u.a., angeblich Zwillinge nach {111}, entsprechen nicht der animierten Interpretation in Bild 14. Diese oft abgebildeten Zeichnungen stellen Durchdringungszwillinge nach dem Diamantgesetz {100} dar - wie die Animation in Bild 15 zeigt.

Animation 08

Bitte schicken Sie Ihre Kritik zu dieser Seite an den Autor.

3.Staurolith Kristallklasse C2h oder 2/m

Ein Beispiel von widersprüchlichen Beschreibungen, hier zum „Kreuz der Bretagne“, die in der Literatur wiederholt in gleicher Weise auftreten. Dabei passen die angegebenen Flächenindizes nicht zu den Kristallelementen.

Hierzu zwei Abbildungen (Bild 19 und 21), die den Einfluss der verschiedenen Indizes der Zwillingsebenen, bei gleichen Gitterkonstanten (2), auf die Morphologie der Zwillinge zeigen - mit Kristall2000 interpretiert.

Bild 19: Zwilling nach {032}

Bild 21: Zwilling nach {031}

Beim Staurolith ergaben wohl röntgenographische Untersuchungen andere Gitterparameter. Bei der Übernahme dieser Parameter wurden in verschiedenen Quellen, bei der Beschreibung der Kristallmorphologie, die Indizes der Zwillingsgesetze nicht entsprechend verändert.

Die Gegenüberstellung des Fotos zu den animierten Zeichnungen zeigt anschaulich die Lösung.

Hilfreich kann bei Widersprüchen solcher Art ein Vergleich der angegebenen Gitterparameter sein. Stehen die Gitterabstände bei gleichen Winkeln in einem ganzzahligen Verhältnis, dann können die Flächenindizes einfach umgerechnet werden - beachten Sie dazu die Seite Grundlagen für Kristall2000.

Literatur

(1) Niggli, P.(1941): Lehrbuch der Mineralogie und Kristallchemie. Gebrüder Borntraeger Berlin-Zehlendorf,139

(2) Strunz,H. & Nickel,E.H. (2001): Strunz Mineralogical Tables. Schweizerbart Stuttgart, 548 - Staurolite

Bild 20 “Kreuz der Bretagne“

Textfeld: Fotos, Zeichnungen und Sammlung von Klaus Schilling

Die in den Bildern 04 und 05 gezeigte Ableitung weist den Bixbyit in Bild 02 in der Kristallklasse Th oder m3 als eine Parallelverwachsung aus, da im Symmetriegerüst dieser Kristallklasse drei Hauptspiegelebenen stehen.(1)

 

Hier nun eine morphologische Betrachtung zum Bixbyit in der Kristallklasse Td oder -43m als Zwilling nach {100}.

Bild 07: Einzelkristall

Kombination {100} mit

 positivem und negativem {211}.

Bild 08: von zwei Individuen eines nach (100) gespiegelt

Bild 09: drei Individuen

Das dritte Individuum ist nur untergeordnet ausgebildet.

Ob die Parallelverwachsung im Bild 06 oder der Zwilling in Bild 09 die richtige orientierte Verwachsung für den Bixbyit in Bild 02 abbildet, kann ohne weitere morphologische Untersuchungen hier nicht beantwortet werden.

Bild 16: zwei Individuen
Kombination {111} + {-111}

Bild 17: das negative Tetraeder nach {111} gespiegelt

Bild 18: Zwilling nach {111} Durchdringungszwilling

Die Zwillinge in Bild 12 und Bild 18 sind zwar geometrisch gleich, jedoch kristallmorphologisch nicht gleichwertig. Beachten Sie hierzu auch die Beschreibung zum Beispiel Sphalerit auf der Seite Zwillinge mit Kristall2000.

Die Animation im Bild 11 bildet bei einer Drehung des 2.Individuums um 60° eine scheinbare Zwillingsstellung ab. Diese ist jedoch bei einer Zwillingsachse erst bei einer Drehung um 180° erreicht.